Das akademische Fechten

In Deutschland gibt es weit mehr als 300 schlagende Verbindungen. Eine dieser sind wir. Mit einfachen Worten bedeutet dies, dass wir das akademische Fechten betreiben. 

Ursprung des akademischen Fechtens

Den Ursprung fand das akademische Fechten Anfang des 16. Jahrhunderts, als nur wenige Werdegänge eine akademische Laufbahn beinhalten. Die damaligen Studenten mussten meist weite Wege zum jeweiligen Hochschulort zurücklegen. Während dieser An- und Abreisen kam es häufig zu Überfällen, worauf man den Studenten zum Eigenschutz das Tragen von Waffen gestattete. In diesem Zuge wurde auch an den Universitäten Fechtunterricht angeboten. Über die Jahre hinweg entwickelte sich ein Hiebfechten, welches oft in Form von Duellen ausgetragen wurde um etwaigen Tusch[1] zu beseitigen. Das Fechten kann somit als eine der ältesten Extremsportarten angesehen werden.

Die Bestimmungsmensur

Heutzutage wird immer noch gefochten, wenngleich nicht mehr das Duell sondern die Bestimmungsmensur im Vordergrund steht. Bei dieser werden zwei Paukanten[2] möglichst gleicher Voraussetzungen[3] von den jeweiligen Verbindungen - wie der Name schon vermuten lässt - bestimmt. Auf diese Art und Weise wird ein stets faires Aufeinandertreffen gewährleistet. Der Ablauf einer solchen Mensur wird durch strenge Regeln vorgeschrieben und ist von Comment[4] zu Comment verschieden. Jedes unserer Mitglieder hat während seiner Studentenzeit vier solcher Mensuren gefochten.

Wie sollte man sich das akademische Fechten vorstellen?

Im Gegensatz zum bekannten Florettfechten ist das akademische Fechten sehr statisch, sodass sich ausschließlich der fechtende Arm bewegt. Die Paukanten stehen sich im vorgeschriebenen Abstand, eben der Mensur[5] gegenüber. Die Schutzvorrichtungen sind dafür ausgelegt, dass man gleichzeitig einen Hieb ausführt und dabei gedeckt ist. Natürlich spielt in diesem Zusammenhang auch die Technik eine Rolle. Je nach Herangehensweise (offensiv oder defensiv) besteht ein unterschiedlich hohes Risiko getroffen zu werden. Ernsthafte Verletzungen sind jedoch durch die genau vorgegebenen Vorsichtsmaßnahmen ausgeschlossen. Die sogenannten Schmisse[6], welche in der damaligen Zeit zum „guten Ton“ gehörten sind heute jedoch kaum erstrebenswert. Bei einer Mensur gibt es keinen Gewinner oder Verlierer. Ziel ist es, die erlernten Fähigkeit in einer Extremsituation abzurufen.

Da das akademische Fechten ausschließlich von Studentenverbindungen praktiziert wird, fängt jedes neue Mitglied bei Null an. Mit den vielen neuen Begriffen, sowie einem komplett ungewohnten Bewegungsablauf wird man jedoch nicht alleine gelassen. In den Paukstunden[5] geben erfahrene Studenten, sowie ein Fechtmeister[8] ihr Wissen an die Jungen weiter.

Warum?

Das Thema Fechten ist wohl – neben einzelnen politischen Aussagen von Burschenschaften – das polarisierendste, wenn es um Verbindungen geht. Dabei spielen oft Begriffe wie Charakterstärkung, Mutprobe, Selektion oder Zusammenhalt eine große Rolle. Obgleich keiner der Begriffe und das wofür er steht vollends zutrifft, so ist es doch deren Zusammenspiel was die Mensur für uns ausmacht. 


[1] Studentischer Ausdruck für Beleidigungen

[2] so werden die Fechtenden genannt

[3] Größe, Erfahrung und fechterischer Leistungsstand

[4] Regelbuch

[5] lat. mensura, „Abmessung“

[6] Begriff für eine Narbe, welche beim Fechten entstanden ist

[5] Wöchentliche Trainingseinheiten

[8] Externer Übungsleiter, welcher eine entsprechende Ausbildung hat